Interview mit Alexandra F. – Malerin, Dichterin, Fotografin

Protraitfoto Alexandra F.Alexandra F. ist dandelion-Lesern keine Unbekannte, ist sie doch die Fotografin des dandelion-Headers. Alexandra F., Jahrgang 1972 und in Wien lebend, malt, fotografiert (vorzugsweise verlassene Orte) und schreibt kraftvolle Lyrik. Der Anfrage, die Weihnachtsgeschichte “So dunkel die Nacht“ von Richard Lorenz zu illustrieren, begegnete sie erst mit spürbarer Skepsis, was sich aber schnell änderte.

FRAGE

Mir schien es als wärst du nach anfänglichen Zweifeln, ob es überhaupt das Richtige für dich sei, nach gewissen Vorgaben zu zeichnen, plötzlich hochgradig inspiriert gewesen, “So dunkel die Nacht“ von Richard Lorenz zu illustrieren. Was hat deine Zweifel letztendlich so schnell zerstreut?

ALEXANDRA F.

Grundsätzlich halte ich mich meist von Auftragsarbeiten fern. Nachdem ich mich aber auf die Geschichte eingelassen hatte, habe ich schnell erfahren, dass der Inhalt und der Stil mir sehr entgegengekommen. Die Betrachtungsweise, der Blickwinkel auf die Dinge und die melancholische düstere Stimmung darin haben mich begeistert und inspiriert.
Außerdem war die “Vorgabe“, diese Reihe in schwarz-weiß zu malen eine neue Herausforderung für mich, hatte ich ja gerade erst damit begonnen, monochrom zu aquarellieren. So hat sich dies sehr gut darin eingefügt und es war letztlich so, dass ich gar nicht aufhören wollte, den Personen und Szenen in der Geschichte Leben einzuhauchen.

FRAGE

Nimmst du von dem Projekt irgendetwas für dich mit?

ALEXANDRA F.

Sicherlich…, wie ich immer etwas mitnehme, wenn mich etwas inspiriert hat. Stimmungen, Worte, Befindlichkeiten. Und natürlich die Aquarelle, die die Geschichte begleitet und meine Begeisterung am monochromen Aquarellieren verstärkt haben.
Und vielleicht auch – um zum Beginn unseres Gesprächs zurückzukommen, auch die Gewissheit, dass Auftragsarbeit nicht gleich Auftragsarbeit ist.

FRAGE

Liest du als Lyrikerin sonst auch Prosa, sprich Romane und Erzählungen?

ALEXANDRA F.

Ja, sehr gerne und viel und breit gefächert. Meist lese ich parallel an mehreren Büchern, die sich aufteilen in Fachliteratur (am liebsten Philosophie, Psychologie, Geschichte, Kunst und vieles mehr), einen Roman und nebenbei natürlich auch immer wieder Lyrik, weil ich die Verdichtung darin sehr mag.

FRAGE

Welches sind deine Lieblingsromane?

ALEXANDRA F.

Was mir jetzt sofort einfällt und sich eingeprägt hat: Der Gott der kleinen Dinge von Arundhati Roy, Terror von Dan Simmons und Das Gedächtnis der Libellen von Marica Bodrozic.

FRAGE

Du bist eine Hälfte des Künstlerduos Projekt wort:rausch. Wer ist die andere Hälfte?

ALEXANDRA F.

Die andere Hälfte, M. Schuetze lebt in Norddeutschland. Mit diesem Projekt – der Poesie in Wort und Bild – haben wir vieles, das wir schon jeder für sich in seinem Leben künstlerisch gelebt hat, gemeinsam zusammengefasst. Im Jahr 2012 begann eine intensive Zusammenarbeit, allerdings ohne die Individualität des Einzelnen zu verlieren, was jedem von uns auch sehr wichtig war und ist.

FRAGE

Wie kann man sich eure Zusammenarbeit vorstellen?

ALEXANDRA F.

Virtuell einerseits, wenn wir Konzepte erstellen, planen und jeder an seinem jeweiligen Wohnort für sich schreibt, malt, fotografiert und Ideen sammelt. Andererseits gibt es grenzübergreifende Projekte, die verbunden sind mit gemeinsamen Fototouren…, wie zum Beispiel unser Projekt “Vergessene W.Orte“, wo wir dann auch länderübergreifend arbeiten – bis jetzt europaweit, von Nord nach Süd, von Hamburg bis Florenz.

FRAGE

Würdest du uns ein bisschen über dich erzählen? Wer bist du? Was machst du?

ALEXANDRA F.

Ich bin sicherlich zum Teil, was man in den Texten liest und in den Fotografien und Bildern sieht.
Das Projekt ist allerdings eine Möglichkeit für mich, meine Person in den Hintergrund zu stellen und die Arbeiten in den Vordergrund zu rücken und für sich sprechen zu lassen.
Kunst war für mich in jeder Form immer schon ein sehr wichtiger und intensiver Teil meines Lebens, eine Berufung vielleicht und – wie Ruskin so treffend sagte – eine Möglichkeit, mit sinnlichen Mitteln den Geist zu erheben, dem Schmerz einen Sinn abzugewinnen und den Ursprung des Schönen zu ergründen.
Für mich ist der kreative Ausdruck ein Lebensgefühl, eine Notwendigkeit, ein Bedürfnis, sicherlich aber auch eine Möglichkeit, mich immer wieder weiterzuentwickeln und neue Herausforderungen anzunehmen und auszuleben.
Abseits der Kunst habe ich einen normalen Berufsalltag. Meine Person würde ich allerdings mehr über meine kreativen Arbeiten definieren.
Wie sagte Goethe: “Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“…, und in diesem Sinne kann ich mit meinen kreativen Arbeiten viel mehr sagen als in ein paar Worten.

Links:

Alexandra F. auf Facebook (als Alexandra Wortrausch)
Projekt wort:rausch
Projekt wort:rausch auf Facebook

 

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Ein Kommentar zu “Interview mit Alexandra F. – Malerin, Dichterin, Fotografin

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