Die liebsten Liebesgeschichten: Folge 12: Claudia Schuster aka Rosha Reads

Für dandelion öffnen Blogger, Autoren, Verleger, Herausgeber, Lektoren und andere Verrückte ihre Herzen und stellen uns ihre persönlichen Lieblings-Liebesgeschichten vor.
Heute zu Gast: Claudia Schuster, Jahrgang 1973 und Autorin des Romans Die Schwärze hinter dem Licht (2014). Unter dem Namen Rosha Reads ist sie als Leserin und Rezensentin unterwegs, zumeist in dem Forum Büchereule.de. Was mir nicht bekannt war: Auch Claudia fragte – lange vor mir – bereits nach Liebesgeschichten, und zwar nach Liebesromanen, die Männern gefallen.

Als ich eingeladen wurde, mich an dieser Blogaktion zu beteiligen, habe ich voll Freude gleich zugesagt. Die Aufgabe schien einfach: drei der schönsten Liebesromane aufzuzählen. Doch dann habe ich gestaunt, wie viele Gedanken man sich über dieses Begriffspaar machen kann. Was genau ist ein Liebesroman? Muss er ein Happy End haben, um als solcher wahrgenommen zu werden und nicht als Drama zu gelten? Und überhaupt, was ist schön? Dieses Adjektiv ist noch viel schwerer einzugrenzen.
Ich habe festgestellt, dass es nicht die bonbonrosa gefärbten Liebesgeschichten sind, die sich am eindringlichsten in meine Erinnerung gegraben haben. Obwohl ich Geschichten mit einem guten Ende wirklich sehr gerne mag.
Liebe, es gibt sie in so vielen Schattierungen und Ausprägungen, dass ich von der schieren Menge an Büchern, die ich hätte auswählen wollen, beinahe erschlagen wurde. Ich habe mich nun für drei Romane entschieden, bei denen die Protagonisten außergewöhnlich sind. Und damit auch ihre Liebesgeschichten.

Natascha Wodin – Nachtgeschwister
wodin nachtgeschwisterEin Buch über obsessive Liebe:
Als Roman angelegt, scheint diese Geschichte stark autobiografisch gefärbt zu sein. Vielleicht erwächst daraus die Intensität, mit der die Autorin Szenen einer schwierigen Beziehung darstellt, verstärkt durch die gewählte Perspektive, mit der sie uns die Frau als Ich-Erzählerin präsentiert.
Thematisch ist es eine hochspannende Story: Die Frau verliebt sich aufgrund eines kleinen Gedichtbändchens in den Schriftsteller Jakob Stumm. Sie schreibt ihm, ruft ihn an, bekommt ihn jedoch nicht zu fassen. Bis er dann eines Tages völlig unerwartet vor ihr steht. Das Bild, das sie sich von dem Mann gemacht hat, aufgrund dessen, was er schreibt, hat in der Wirklichkeit keinen Bestand. Dennoch ist sie dem Mann verfallen, kann sich nicht von ihm lösen. In obsessiver Abhängigkeit bleiben die beiden aneinander gekettet, quälen sich und harren dennoch aus.
Zeitlich spielt die Geschichte drei Jahre vor dem deutschen Mauerfall und in den Jahren danach. Jakob Stumm lebte in der DDR, die Frau als Kind russischer Emigranten im Westen Deutschlands.
Die Autorin schreibt mit leichter Hand flüssige Prosa, die insbesondere in der szenischen Darstellung zu großem Kino auffährt. Ihre Sprachgewalt erzeugt plastische Bilder vor meinem inneren Auge, transportiert Gefühle ohne beschwerend zu wirken. Ein großartiger Roman!

Claudia Schreiber – Emmas Glück
schreiber emmaEin Buch über eine unromantische, aber doch so bezaubernde Liebe:
Wer eine dieser puderrosa „Ich-habe-zwar-nur-zwei-Gramm-Übergewicht-bilde-mir-aber-ein-wie-ein-Walross-auszusehen“-Heldinnen erwartet, sollte lieber gleich die Finger davon lassen. Emmas größtes Problem ist auch nicht, darauf zu warten, dass der Angebetete endlich anruft. Nein, sie hat echte Probleme: Ihr Hof soll zwangsversteigert werden.
Emma ist anders. Emma ist skurril. Emma ist kernig und handfest. Und Emma schlachtet Schweine. Außerdem ist sie schlampig, unmöglich angezogen, ruppig im Umgang – und hat ein Herz aus Gold. Nahezu von Anfang an war ich von der Protagonistin hingerissen. Wie erfrischend anders!
Das Buch besticht durch komische Szenen, übertönt damit jedoch nicht die feinen, leisen Töne, die die Autorin ebenso erklingen lässt. Emma hatte es in ihrem Leben noch nie leicht. Aber sie ist eine Kämpferin.
Max bricht regelrecht in ihr Leben hinein, will erst gar nicht bleiben, doch die Umstände zwingen ihn dazu. Sein Glück, denn nun hat er Gelegenheit tiefer zu blicken als bis auf die schmutzverkrustete Oberfläche von Emmas Gummistiefeln und die hässliche Kittelschürze. Und was er da findet, hat es ihm angetan.
Das Buch ist lustig, traurig, eklig, skurril, romantisch und für mich sticht es aus der großen Menge hervor. Ich liebe es!

Astrid Rosenfeld – Elsa ungeheuer
Elas50-4_LEin Buch über unerfüllte Liebe:
Es gibt Bücher, die beginnen mit einem Satz, der den Leser unweigerlich ins Buch holt. Elsa ungeheuer ist so ein Buch. So beginnt es: „Für manche Menschen scheint die Erde einfach nicht der rechte Ort zu sein, und meine Mutter Hanna war so ein Mensch.“
Die Autorin hält das Versprechen, das sie mit ihrem ersten Satz abgibt: Der Roman bleibt bis zum Ende auf hohem Niveau.
Erzählt wird aus der Sicht von Karl Brauer und im Grunde ist es seine Geschichte. Dicht verwoben mit seinem persönlichen Kosmos sind sein Bruder Lorenz und Elsa, die er mit ganzem Herzen liebt.
Man kann über die Liebe eines kleinen, dicken Jungen lachen. Aber man sollte nicht.
Der größere Teil des Buches, „Teil I – Hunde“, führt den Leser in die Zeit, als Karl, Lorenz und Elsa Kinder waren. Mit Liebe zum Detail und doch ohne zu Überfrachten stellt uns die Autorin skurrile Figuren vor. Vor allem August Murmelstein, genannt das Murmeltier, schleicht sich in das Herz des Lesers. Ist er doch derjenige, der als einziger die Kinder aufrichtig zu lieben scheint. Er nennt sie immer „ihr herrlichen Kinder!“
Melancholisches wechselt mit Komischem, Heiterkeit mit Erschrecken. Ich lese den Text mit einem lachenden und einem weinenden Auge und zolle der Autorin großen Respekt, in welcher Art sie diese Gefühle transportiert: weder klamaukig noch larmoyant. Exzellent.
„Teil II – Wölfe“ zeigt uns Karl und Lorenz als Erwachsene. Lorenz taucht ein in die Welt der Künstler, reißt seinen Bruder mit in diesen Sog. Elsa spielt in diesem Teil der Geschichte eine untergeordnete Rolle, obwohl ihre Präsenz zu spüren ist. Karl hat sie verinnerlicht, in seiner tiefen Liebe.
Das Buch beherbergt ganz viele besondere Textstellen, auf denen das Auge verharrt, der Geist sich auf Wanderschaft begibt. Man gerät ins Nachdenken. Elsa ungeheuer hat mich angerührt, zutiefst. Es hat mich zum Weinen gebracht. Das passiert mir nur ganz selten beim Lesen von Büchern.
Es geht um nichts weniger als die Schmerzhaftigkeit tiefer Liebe, die nicht erwidert wird. Ich habe davon nicht nur gelesen, ich habe es gespürt, durch die Worte der Autorin. Großartig.

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2 Kommentare zu “Die liebsten Liebesgeschichten: Folge 12: Claudia Schuster aka Rosha Reads

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